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Fritz Steisslinger: Blick vom Käppele auf den Böblinger Schlossberg, 1943

Als ob Fritz Steisslinger geahnt hätte, dass sein Gemälde ein Dokument wird, das Postplatz und Schlossberg noch unzerstört vor dem Fliegerangriff in der Nacht vom 7. auf den 8. Oktober 1943 zeigt.

Links die Gebäude am Käppele: Schneider Gläser (Hausnummer 10), mit der Nummer 6 das Haus von Marie Bahlinger, die derzeit die kleinen weißen Särge verstorbener Kinder – wie überliefert ist, auf dem Kopf – zum Friedhof trug, schließlich das Eckhaus (Hausnummer 2) an der Einfahrt zum Unteren Käppele, die Bäckerei Wilhelm Schöck.

Auf der geraden Straße zum Postplatz rechts die Weinstube Keller, die spätere Kultkneipe »Zum schönen Otto«, Karl Zimmermanns Colonialwaren, der Laden der Gärtnerei Karl Rau und vorne an der Ecke Stuttgarter Straße die Bäckerei Dinkelacker bzw. Frech.

Einige der hier noch dargestellten Gebäude hoch zum Schlossberg, auf dem die Stadtkirche thront, fielen im Oktober 1943 in einer Nacht dem Bombenangriff zum Opfer: der Schlossflügel, das Hotel Post, die Kreispflege und das Dekanat von 1841. Das Amtsgericht von 1838 wurde beschädigt.

Abbildungen:
Fritz Steisslinger: Blick vom Käppele auf den Böblinger Schlossberg, zwei Versionen, Version 2 datiert 1943
Historische Fotografie, 1920er/30er-Jahre
Aktuelle Fotografie, Attila Melzer, 2023